Manchmal rauscht es einfach

Neulich saß ich morgens im Auto.
Noch nicht ganz wach, Tee in der Hand, der Kopf schon halb im Tag.
Ich machte das Radio an, mehr aus Gewohnheit als aus wirklicher Lust, und merkte sofort, dass etwas nicht stimmte.
Nicht laut. Nicht leise.
Einfach … unangenehm.

Manuela Portmann Soul Diving - Radio im Auto als Metapher für Frequenz und innere Klarheit

Es rauschte, knackte, war irgendwie daneben.
Ich spürte, wie mein Körper sich ganz leicht verspannte, noch bevor ich bewusst dachte: *Das nervt.*
Also drehte ich am Knopf.
Ein bisschen.
Noch ein bisschen.
Und plötzlich war der Empfang klar.

Musik.
Ruhe.
Atmen.

Und ich musste lächeln, weil mir in genau diesem Moment auffiel:
So fühlt sich mein Leben manchmal auch an.

🩷🩷🩷

Es gibt Tage, da stimmt eigentlich nichts Konkretes nicht.
Keine Katastrophe, kein Drama, keine schlechte Nachricht.
Und trotzdem fühlt sich alles zäh an.
Gespräche verlaufen schief.
Gedanken drehen sich im Kreis.
Selbst einfache Dinge brauchen plötzlich viel mehr Energie als sonst.

Früher dachte ich in solchen Momenten oft, mit mir stimme etwas nicht.
Ich müsste motivierter sein. Klarer. Dankbarer.
Heute weiß ich:
Oft bin ich einfach innerlich auf einem Sender gelandet, der rauscht.

Nicht falsch.
Nicht kaputt.
Nur … nicht stimmig.

🩷🩷🩷

Ich kenne das zum Beispiel von diesen Morgen, an denen ich zu früh aufs Handy schaue.
Eine Nachricht, die mich innerlich schon arbeiten lässt.
Ein Gedanke an etwas Unerledigtes.
Und zack – ich bin da, obwohl mein Körper noch ganz woanders ist.

Von außen sieht man das nicht.
Ich funktioniere.
Ich antworte.
Ich mache weiter.

Aber innen fühlt es sich an wie schlechter Empfang.
Alles kommt ein wenig verzerrt an.
Und genau aus diesem Zustand heraus entstehen dann Entscheidungen, Worte oder Reaktionen, die sich später nicht ganz rund anfühlen.

Nicht, weil sie falsch waren.
Sondern weil sie aus Rauschen entstanden sind.

🩷🩷🩷

Was ich gelernt habe – nicht aus Büchern, sondern aus Erfahrung – ist etwas sehr Unaufgeregtes:
Ich muss mich nicht ändern, um klarer zu werden.
Ich muss nichts optimieren.
Ich muss nichts „in Ordnung bringen“.

Manchmal reicht es, kurz innezuhalten und wahrzunehmen:
*Aha. So klingt es gerade in mir.*

So wie im Auto.
Ich beschimpfe das Radio ja auch nicht.
Ich halte keinen Vortrag über Technik.
Ich drehe einfach ein kleines Stück weiter, bis es wieder passt.

🩷🩷🩷

Seitdem bewege ich mich anders durch meinen Alltag.
Nicht immer ruhiger.
Nicht immer gelassener.
Aber aufmerksamer für diesen feinen Unterschied zwischen Klarheit und Rauschen.

Und das verändert mehr, als man denkt.
Wie Gespräche verlaufen.
Wie Entscheidungen sich anfühlen.
Wie viel Energie etwas wirklich kostet.

Nicht, weil plötzlich alles leicht wird.
Sondern weil es ehrlicher wird.

🩷🩷🩷

Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch.
Dieses leise Wissen, dass gerade nicht die Welt schwierig ist, sondern der Empfang.
Und vielleicht braucht es heute nichts weiter als genau diese Erkenntnis.

Kein Tun.
Kein Plan.
Kein nächster Schritt.

Nur einen Moment, in dem es innerlich ein bisschen klarer wird.

Alles Liebe, 🩷
Unterschrift Manuela Portmann

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